Das erste Handmuster einer neuen Lernkartenbox braucht eine halbe Stunde, weil jede Linie zum ersten Mal gelesen, jede Lasche zum ersten Mal gefaltet wird. Das dreihundertste Stück derselben Box entsteht in wenigen Minuten, weil inzwischen feststeht, in welcher Reihenfolge die Hände arbeiten und wo die Anlegeschablone liegt. Genau dieser Übergang – vom einzelnen Stück zur wiederholbaren Menge – ist der Zweck einer Nullserie. Hier erfahren Sie, was sich zwischen Stück 1 und Stück 10.000 verändert, wozu das Zeitprotokoll dient und wie daraus eine Arbeitsanweisung mit Fotos wird.
Was unterscheidet ein Handmuster von einem Nullserienstück?
Ein Handmuster zeigt, dass etwas gebaut werden kann. Ein Nullserienstück zeigt, wie es gebaut wird, wenn es oft gebaut werden muss. Beim Handmuster darf die Person am Musterplatz improvisieren, messen, neu ansetzen; das Ergebnis zählt. Beim Nullserienstück zählt zusätzlich der Weg: dieselben Griffe in derselben Folge, von mehreren Personen, mit messbarer Zeit. Deshalb bauen wir Nullserien erst, wenn ein Erstmuster freigegeben ist – vorher gäbe es nichts, was sich wiederholen ließe.
Üblich sind 100 bis 500 Stück, auf Wunsch bis rund 2.000. Weniger ergibt kein belastbares Protokoll, weil die ersten Dutzend Stücke noch Lernkurve sind; deutlich mehr ist bereits Serie.
Was ändert sich zwischen Stück 1 und Stück 10.000?
| Merkmal | Stück 1 (Handmuster) | Stück 10–300 (Nullserie) | ab Stück 10.000 (Serie) |
|---|---|---|---|
| Zeit je Stück | 30 Minuten inkl. Unterlagenprüfung | rund 4 Minuten, gemessen | laut Protokoll, oft darunter |
| Hilfsmittel | Cutter, Stahllineal, Kartonschablone | Anlegeschablone, fester Ablageplatz | Arbeitsplatz nach Anweisung eingerichtet |
| Personen | eine qualifizierte Person | 2–4 Plätze | je nach Menge und Termin |
| Prüfung | jedes Maß gegen Zeichnung | jedes Stück gegen freigegebenes Erstmuster | nach Ihrem vereinbarten Prüfplan |
| Dokument | Freigabefotos mit Maßband | Zeitprotokoll je Arbeitsschritt | elektronische Arbeitsanweisung mit Fotos |
Die rechte Spalte gehört nicht mehr zum Musterbau. Konfektionierung in Serie, Zusammentragen und Kleben an der Anlage, Ausbrechen, Binden, Werbemittel in Serie, Lohnverpackung, Montage und Sortierung bietet APOOL WERKE auf apool.de an.
Was steht in einem Zeitprotokoll?
Das Zeitprotokoll zerlegt ein Stück in seine Arbeitsschritte und hält fest, wie lange jeder dauert – gemessen über viele Stücke, nicht geschätzt. Für die Lernkartenbox aus dem Beispiel sah es nach 300 Stück so aus:
| Schritt | Handgriff | Sekunden je Stück | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1 | Zuschnitt an Anlegeschablone legen, Boden aufrichten | 45 | Schablone spart das Messen |
| 2 | Seitenlaschen kleben, in die Presse | 55 | Presszeit läuft parallel zum nächsten Stück |
| 3 | Trennregister einsetzen | 40 | Register vorsortiert nach Farbe |
| 4 | Deckel aufsetzen, Verschluss prüfen | 35 | dreimal öffnen und schließen |
| 5 | Sichtprüfung gegen Erstmuster | 30 | Kanten, Klebestellen, Druckbild |
| 6 | Kennzeichnen, in Versandkarton ablegen | 35 | 12 Stück je Karton |
| Summe | 240 | = 4 Minuten | |
Solche Zahlen machen sichtbar, wo Zeit steckt. In diesem Fall zeigte Schritt 3, dass unsortiert angelieferte Register fast doppelt so lange dauerten – der Kunde ließ sie danach vom Drucker sortenrein verpacken.
Wie wird aus dem Protokoll eine Arbeitsanweisung?
Seit 2019 führen wir Arbeitsanweisungen elektronisch. Aus dem Zeitprotokoll entsteht eine Folge von Fotos, je Schritt eines, mit einem kurzen Satz darunter: was gegriffen wird, wohin es gelegt wird, worauf zu achten ist. Dazu kommen das Foto des freigegebenen Erstmusters, die Toleranz von ±0,5 mm und eine Liste typischer Fehler aus der Nullserie. Mit dieser Anweisung kann jede eingearbeitete Person denselben Stand erreichen, ohne dass der Musterplatz daneben stehen muss.
Sie erhalten die Anweisung als Teil der Dokumentation. Wenn die Serie später bei uns läuft, ist sie dort bereits hinterlegt; läuft sie bei Ihnen oder einem anderen Partner, dient sie als Vorlage.
Was kostet eine Nullserie – und was verrät sie über den Stückpreis?
Ein Lernmittelverlag aus Schleswig-Holstein ließ 300 Lernkartenboxen als Nullserie bauen, Material beigestellt, Versand in drei Paketen. Mit 4 Minuten je Stück und 30 Minuten für das Erstmuster ergab der Rechner 20,5 Stunden, 461 € Arbeit und 56 € Versand – zusammen 517 €, rund 1,72 € je Box. Der Richtwert für Vorserien liegt 2026 bei 0,60 € – 2,50 € je Stück (Richtwert – Angebot nach Anfrage und Muster).
Wichtiger als der Betrag ist die Zahl dahinter: 240 Sekunden je Stück. Multipliziert mit der geplanten Auflage und dem Stundensatz ergibt sie eine belastbare Grundlage für das Serienangebot – statt einer Schätzung aus dem ersten Handmuster, die um ein Vielfaches zu hoch läge.
Welche Fehler zeigen sich erst in der Nullserie?
Drei Muster wiederholen sich. Erstens Material, das im Einzelstück funktionierte, aber in der Menge schwankt – etwa Bögen, deren Rillung bei jedem zwanzigsten Stück bricht. Zweitens Handgriffe, die eine erfahrene Person selbstverständlich macht, die aber in keiner Unterlage stehen. Drittens Verpackungseinheiten, die nicht zum Versand passen. Alle drei tauchen im Protokoll auf und landen als Hinweis in der Arbeitsanweisung. Weicht ein Muster von der Zeichnung ab oder passt ein Teil nicht, bauen wir nicht weiter: Sie bekommen ein Foto mit Maßband und unseren Vorschlag, und geändert wird erst nach Ihrer Vorgabe.
Wie groß muss eine Nullserie für ein belastbares Protokoll sein?
Groß genug, dass die Lernkurve vorbei ist und mehrere Personen gemessen wurden. In den ersten zwanzig bis dreißig Stücken sinkt die Zeit je Stück fast immer deutlich, weil sich Griffe und Ablage einspielen. Erst danach wird sie stabil. Deshalb werten wir das Protokoll nicht ab dem ersten Stück aus, sondern ab dem Punkt, an dem sich die Zeit von einem Zehnerblock zum nächsten kaum noch ändert. Wenn an 2–4 Plätzen parallel gearbeitet wird, sehen Sie zudem, wie stark die Zeiten zwischen Personen streuen – für die Serie oft die wichtigere Zahl als der Mittelwert.
Für einfache Verpackungen reichen dafür meist 100 bis 200 Stück. Bei Produkten mit vielen Einzelteilen, etwa einem Spiel mit Brett, Karten und Figuren, empfehlen wir die obere Hälfte der üblichen Spanne, weil jede zusätzliche Komponente eigene Griffe und eigene Fehlerquellen mitbringt. Auf Wunsch zeigen wir Ihnen die Kurve der Zeiten je Zehnerblock mit dem Protokoll.
Wie geht es nach der Nullserie weiter?
Mit Protokoll und Anweisung entscheiden Sie, wo die Serie läuft. Bei APOOL WERKE läuft sie in denselben Betrieben; die Konfektionierung in Serie auf apool.de übernimmt dann Anweisung und Erstmuster. Die Grundlagen der Leistung finden Sie unter Vorserie und Nullserie in Handarbeit, den Begriff im Lexikon.
Schicken Sie uns Ihr freigegebenes Muster und die geplante Stückzahl über die Anfrage, oder klären Sie telefonisch mit Elisabeth Zachová (+420 604 373 376), wie groß die Nullserie für ein belastbares Protokoll sein sollte.